"Tue recht und scheue niemand"

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"Tue recht und scheue niemand"

Beitragvon mel_eben » 09.07.2008, 20:51

Hallo zusammen,

ein aktueller GK-Artikel gibt diesen Spruch als Bibelwort aus. Einzelne Webseiten weisen darauf hin, dass der Spruch urspruenglich lautete "Fuerchte Gott, tue recht* und scheue niemand", was eher an eine christliche Lebensweisheit denken laesst. In verschiedenen Bibeluebersetzungen habe ich den Spruch auch nicht gefunden. Nur aus Interesse: kennt jemand die Quelle?

Mit freundlichem Gruss
Melanie

* M. E. kann es hier nicht Recht heissen.
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Beitragvon Frank » 09.07.2008, 23:44

Hallo Melanie,

leider ist es mir gestern auf die Schnelle auch nicht gelungen, den Urheber des Spruchs zu recherchieren.
Witzigerweise hatte ich Tobias auf den gleichen Sachverhalt aufmerksam gemacht (kein Bibelwort + eigentlich unvollständig). :lol:

Ich möchte darüber hinaus die Frage stellen, wie der Spruch gemeint ist. Wenn damit gemeint sein sollte
"Ich tue recht, also brauche ich niemanden zu scheuen!" habe ich auch christlicher Sicht etwas Bauchschmerzen... :roll:

Gruß Frank
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Beitragvon steppenwolf » 10.07.2008, 03:09

Fürchte Gott, tue recht und scheue niemand, denn was kann dir der Staub tun.

Die christliche Lebensregel Nr. 55 von Johann Rittmeyer :arrow: KLICK und KLACK

Magister Johann Rittmeyer war evangelisch-lutherischer Pfarrer und Propst an der Klosterkirche St. Marienberg in Helmstedt. Sein Andachtsbuch trägt den Titel "Himmlisches Freudenmahl der Kinder Gottes auf Erden". Es wurde mehrfach nachgedruckt. In einer Ausgabe des Jahres 1743 findet man einen Abschnitt mit dem Titel:

Christliche Lebensregeln, die ein jeder Christ, der das Heilige Abendmahl würdig empfängt, zu sorgfältiger Fortsetzung seines Lebens als Christ stets vor Augen haben muß.
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Beitragvon Rosinante » 10.07.2008, 06:00

Verfasst am: 10.07.2008, 04:09 Titel:

Fürchte Gott, tue recht und scheue niemand, denn was kann dir der Staub tun.



Lieber Steppenwolf,

gut, dass Du da Licht reingebracht hast. Dass der Spruch aus der ev.Richtung kommt, war mir klar, kannte aber den ganzen Satz nicht. Ich hoffe nur, dass Du nicht bis 04:09 Uhr darüber wachen und graben musstest. ;)

LG r.
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Beitragvon steppenwolf » 10.07.2008, 06:16

Keine Sorge, edle(r) Klepper(in)... :D

das hat mich nach dem Morgenkaffee 2 Minuten Google gekostet. :wink:

Grüße mir den edlen Don Quichotte und richte ihm aus, dass er nicht müde werden soll in seinem Kampf gegen Windmühlen.

Untertänigst -
st. :D
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Beitragvon Uli » 10.07.2008, 07:43

Rosinante hat geschrieben:Ich hoffe nur, dass Du nicht bis 04:09 Uhr darüber wachen und graben musstest.

Die Uhr des Forum-Servers geht etwa eine Stunde nach...
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Beitragvon Jesse » 10.07.2008, 09:35

steppenwolf hat geschrieben:Fürchte Gott, tue recht und scheue niemand, denn was kann dir der Staub tun.

Die christliche Lebensregel Nr. 55 von Johann Rittmeyer :arrow: KLICK und KLACK

Magister Johann Rittmeyer war evangelisch-lutherischer Pfarrer und Propst an der Klosterkirche St. Marienberg in Helmstedt. Sein Andachtsbuch trägt den Titel "Himmlisches Freudenmahl der Kinder Gottes auf Erden". Es wurde mehrfach nachgedruckt. In einer Ausgabe des Jahres 1743 findet man einen Abschnitt mit dem Titel:

Christliche Lebensregeln, die ein jeder Christ, der das Heilige Abendmahl würdig empfängt, zu sorgfältiger Fortsetzung seines Lebens als Christ stets vor Augen haben muß.



Der Prediger Salomo ist zuweilen nicht schlecht zu lesen.
Jesse
 

Re: "Tue recht und scheue niemand"

Beitragvon Cemper » 10.07.2008, 10:13

mel_eben hat geschrieben:Hallo zusammen,

ein aktueller GK-Artikel gibt diesen Spruch als Bibelwort aus. Einzelne Webseiten weisen darauf hin, dass der Spruch urspruenglich lautete "Fuerchte Gott, tue recht* und scheue niemand", was eher an eine christliche Lebensweisheit denken laesst. In verschiedenen Bibeluebersetzungen habe ich den Spruch auch nicht gefunden. Nur aus Interesse: kennt jemand die Quelle?

Mit freundlichem Gruss
Melanie

* M. E. kann es hier nicht Recht heissen.


Frau Ebener –

Ihre Frage hat mich auch interessiert. Es ist wohl so: Es gibt keine eindeutige Quelle des Satzes „Tue recht (Recht) und scheue niemand." Mit einem biblischen Satz haben wir es offensichtlich nicht zu tun - ich finde jedenfalls einen solchen Satz in der Bibel nicht. Er wird aber unbekümmert allüberall als Satz der Bibel erwähnt. Der Satz ist wohl – mit dem Zusatz „Fürchte Gott“ – eine volkstümliche Zusammenfassung des 25. Psalms. Beispiel: „Fürcht Got, Thue recht, Schew niemandt.“ Quelle: Melchior Kyferus: Goltbergensis Silesius scribebat Seruestae. 1592. Als lat. Redewendung bzw. Sprichwort ist er so überliefert: "Recte fac, neminem time." Ein sog. Wahrheitstaler von Heinrich Julius - Herzog zu Braunschweig-Lüneburg – aus dem Jahre 1597 enthielt die Prägung RECTE FACIENDO REMINEM TIMEAS.

Zum Psalmtext: KLICK:

Einen ähnlichen Gedanken finden wir auch bei dem vorchristlichen römischen Feldherrn und Geschichtsschreiber Cato: „Diese Tugend halte für die erste: die Zunge zu zähmen. Der kommt Gott am nächsten, der mit Verstand zu schweigen versteht." [Disticha 1,3] In den Fragmenten steht dazu auch etwas (Nachweise sind zu mühsam ...).

Interessant ist Ihr Hinweis auf die richtige Schreibweise. Heißt es „recht“ oder „Recht“? Es ist ja möglich, dass jemand sein Handeln am geltenden Recht orientiert und doch nicht recht handelt, weil das Recht - das geltende Recht in den Gesetzen - nicht rechtens ist. Dazu den schönen Text von Kant aus Metaphysik der Sitten/Einleitung Anfangsgründe der Rechtslehre:

„Was ist Recht? Diese Frage möchte wohl den Rechtsgelehrten, wenn er nicht in Tautologie verfallen, oder statt einer allgemeinen Auflösung auf das, was in irgend einem Lande die Gesetze zu irgend einer Zeit wollen, verweisen will, eben so in Verlegenheit setzen, als die berufene Aufforderung: Was ist Wahrheit? für den Logiker. Was Rechtens sei (quid sit iuris), d. i. was die Gesetze an einem gewissen Ort und zu einer gewissen Zeit sagen oder gesagt haben, kann er wohl angeben: aber ob das, was sie wollten, auch recht sei, und das allgemeine Kriterium, woran man überhaupt Recht sowohl als Unrecht (iustum et iniustum) erkennen könne, bleibt ihm wohl verborgen, wenn er nicht eine Zeit lang jene empirischen Principien verläßt, die Quellen jener Urtheile in der bloßen Vernunft sucht (wiewohl ihm dazu jene Gesetze vortrefflich zum Leitfaden dienen können), um zu einer möglichen positiven Gesetzgebung die Grundlage zu errichten. Eine bloß empirische Rechtslehre ist (wie der hölzerne Kopf in Phädrus’ Fabel) ein Kopf, der schön sein mag, nur Schade! daß er kein Gehirn hat.“

Damit sind wir in der Politik „gelandet“. Recht wird ja von der Politik „gemacht“: gesetzt. Der Gesetzgeber erlässt Gesetze. Das Recht fällt leider oder Gott sei Dank! nicht vom Himmel - und wenn ein Mose heute auf einen hohen Berg stiege, würde er gewiss nicht mit Gottes Gesetzestafeln zurückkommen. Ob es in alttestamentlichen Zeiten anders war, das wollen wir hier freundlicherweise nicht erörtern ...

Vielleicht kann sich der neue Forumsmitarbeiter – der sich auf der Homepage mit dem von Ihnen erwähnten Beitrag vorstellt und dort den vermeintlichen bibl. Satz "Tue Recht und scheue niemand" erwähnt – mit diesem politischen Problem der Rechtlichkeit des Rechts befassen. Er studiert ja – wie er schreibt – Politikwissenschaft und schließt das Studium bald ab. Vielleicht ist das Problem in einer Examensarbeit zu lösen ...

Viel Spaß dabei

C.
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Beitragvon wolfgang » 10.07.2008, 20:20

Eine ähnliche Formulierung findet sich im Gleichnis von der bittenden Witwe: "Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen." (Lukas 18,2)

Grüße
Wolfgang
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Beitragvon mel_eben » 11.07.2008, 10:18

wolfgang hat geschrieben:Eine ähnliche Formulierung findet sich im Gleichnis von der bittenden Witwe...


Hallo Wolfgang,

ja, allerdings ist der Sinn hier deutlich anders.
Niemanden zu scheuen raet uebrigens auch 5. Mose 1,17.

Lieber Cemper,

schoen, Ihnen wieder einmal ueber den virtuellen Weg zu laufen. Vielleicht finde ich ab naechste Woche wieder einmal mehr Zeit fuer das Forum.

Macht die Rechtschreibreform (in der wievielten Fassung derzeit? Ich habe die Uebersicht verloren.) aus "recht handeln" eigentlich zwangslaeufig "Recht handeln"?

Schreiben Sie weiterhin recht!

Mit freundlichem Gruss
Melanie
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Beitragvon Randnotiz » 11.07.2008, 11:25

Daher auch: Rechtschreibung...
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

(Natural Born Kieler)
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Beitragvon philippus » 11.07.2008, 11:42

Und was sag ich einem Linkshänder?

Ist das nicht irgendwie pervers ... oder einfach nur paradox?

:roll:
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Beitragvon Uli » 11.07.2008, 11:58

philippus hat geschrieben:Und was sag ich einem Linkshänder?

Extremist...
Uli
 

Re: "Tue recht und scheue niemand"

Beitragvon nassauer » 22.10.2012, 20:08

Ich halte es lieber mit der aktualisierten Form: "Tue recht und traue niemend".
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