Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Anmerkungen zum Geschehen in der Neuapostolischen Kirche

Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Knabe-im-Moor » 16.05.2013, 11:48

Bert hat geschrieben:Wer wagt sich mal an eine Interpretation der Leber'schen Aussagen?


Ich wage es.
Vorab möchte ich ein Geschehen erwähnen, dass vor einem Dutzend Jahren im Internet zu lesen war. Weil es, wie üblich, von einem anonymen Schreiber eingestellt wurde, kann ich mich für den Wahrheitsgehalt der Geschichte nicht verbürgen. Ich gebe sie sinngemäß wieder:

Bei Missionierungsversuchen im Osten geschah es, dass Ap. H.G. Rockenfelder und Bez.Ap. Fritz Nehrkorn aufeinander trafen. Beide wurden in ein Gespräch verwickelt, bei dem die Rede auch auf die Botschaft kam. Sinngemäß tätigten sie dazu folgende Aussagen:
"Diese Botschaft geglaubt zu haben, gehört zu den tiefsten und schönsten Erfahrungen meines Lebens..." (Rockenfelder).
"Die Botschaft hat sich nicht erfüllt, folglich war sie nicht göttlichen Ursprungs" (Nehrkorn).

Scheinbar zwei unüberbrückbare Positionen (wobei der Bezirksapostel seiner Kirche damals weit voraus war) wurden vorgetragen. Aber in Wirklichkeit sprachen beide von zwei völlig verschiedenen Dingen: Rockenfelder sprach vom persönlichen, subjektiven Erleben, von der Erfahrung intensiven Wartens, die er als positiv erlebt hatte. Bei Nehrkorn ging es um eine nüchterne geschichtliche Betrachtung.

Es ist immer wieder zu hören und zu lesen, dass es auch heute noch viele Neuapostolische Christen gibt, welche die Erfahrung des intensiven Wartens als etwas Positives und Besonderes erinnern. Diesen allen will Stammapostel Leber mit seinem Statement deutlich machen, dass ihnen nichts genommen wird, wenn er nun notwendige Kritik an der Botschaft und vor allem am Umgang mit ihr äußert. Letztlich geht es um das tägliche Warten auf die Wiederkunft Jesu - daran soll nicht gerüttelt werden. In der Botschaftszeit trat allerdings zunehmend der Hype um die angebliche Unsterblichkeit eines alten Mannes in den Vordergrund - und davon distanziert sich Stammapostel Leber ganz klar.

Stammapostel Leber hat sich immer wieder dagegen ausgesprochen, StAp Bischoff auf die Botschaft zu reduzieren und ihn in Bausch und Bogen zu verurteilen. Das hat gute Gründe. Gerade die neuere Geschichtsforschung (u.a. Arbeiten von M. Koch) hat ergeben, dass StAp Bischoff die NAK überhaupt erst wieder auf den Weg der eschatologischen Ausrichtung zurückgebracht hat. Unter Vater Krebs war der Focus von der nahen Wiederkunft Jesu zunehmend auf die Gegenwart Jesu im Apostel(amt) verlagert worden, was bei Vater Niehaus keine wesentliche Korrektur erfuhr. Auswüchsen dieser Richtung, wie bei van Oosbree in den Niederlanden trat StAp Bischoff (wenn auch leider vergebens) klar entgegen. Es wäre ungerecht, die ersten zwei Drittel der langen Amtszeit des Stammapostels Bischoff, in welchen die Kirche eine gute Entwicklung nahm, einfach zu ignorieren.

Auch mir kam die Stellungnahme Stammapostel Lebers im ersten Moment etwas sehr abgerundet und weichgespült vor. Aber ich habe erkennt: Er vermeidet es zu Recht, Gläubige damit zu brüskieren, für welche die Botschaft nie ein Problem war - weil nämlich der wiederkommende Jesus und nicht der unsterbliche alte Mann im Mittelpunkt ihres Interesses standen.
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Bert » 16.05.2013, 15:22

Danke, Knabe-im-Moor, danke.

Doch darf ich nachhaken: Wie stellte sich 'tägliches Warten auf die Wiederkunft Jesu' damals a) in Handlungen der Gläubigen und b) in ihrem Reden dar? Was machten sie im einzelnen auf ein Warten bezogen, was man sehen konnte, was redeten sie mit Bezug auf die erwartete Wiederkunft untereinander und mit Dritten, das solches heute noch beeindruckt und als beispielhaft gelten kann (nach Leber)? Das mußte ja, wie sich aus Lebers Wertung ergibt, so ganz anders sich darstellen als heute. Heute sieht L doch offenbar ein Defizit bei den Gläubigen, kein intensives Warten auf den Herrn wie es seinerzeit gewesen sei. Was fehlt da heute?

Versuchst du mal hierauf zu antworen?

Gruß
B.
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon orig.gabi » 16.05.2013, 16:47

Was da heute fehlt?
Der naive Glaube an die von der NaK gepachtete Planungs- und Hoheitssicherheit über das Wandeln, Werken der Person des Jesus Christus.
Die Katholen sind da übrigens auch nicht weiter oder im Vorteil.

Beruhigend ist, dass kein Mensch nix weiß. Keiner.
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Cemper » 16.05.2013, 18:17

Auf dem Gebiet des Glaubens geht es doch nicht primär um Wissen. Es geht um den Glauben - und das heißt vor allem: Vertrauen. Freilich sollte man schon wissen, wem und worauf man vertraut. Man sollte sich auch fragen, ob man sich selber trauen kann ...

Bei all dem ist es aber zu empfehlen zu versuchen, ein Wissen vom Glauben zu erlangen und zu versuchen, das, was man glaubt, auch zu verstehen, was dann aber nicht heißt, dass man mit diesem Wissen den Glauben beweisen kann, sondern nur, dass man den Glauben begründen kann - so einigermaßen.

Und der Atheist sollte auch wissen, welchen Gott und welchen Gottesglauben er ablehnt. Er kann ja ohne ein Bild von Gott nicht A-theist sein. Wenn man dann mal nachfragt, hört man nicht selten allerlei Nonsens.
Ob ich gläubig bin? Das weiß nur Gott allein.
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Knabe-im-Moor » 16.05.2013, 19:22

Bert hat geschrieben:Wie stellte sich 'tägliches Warten auf die Wiederkunft Jesu' damals a) in Handlungen der Gläubigen und b) in ihrem Reden dar?


Hallo Bert,
diese Frage zu beantworten wäre für mich als einem Nachgeborenen wenn überhaupt nur mit großem Aufwand möglich: Ich müsste Zeitzeugen befragen und alte Schriften wälzen...

Ich weiß aus Zeitzeugenberichten, dass man in Gesprächen häufiger erwähnte "Der Herr kommt bald", dass Freizeit inhaltlich überwiegend geistlich gestaltet wurde, dass vor dem nahen Tag des Herrn manche ärgerlichen irdischen Verhältnisse relativiert wurden. Dass man den Kindern nahelegte, auf eine gehobene Ausbildung zu verzichten, hat es im Umfeld meiner Vorfahren nicht gegeben.

Nun habe ich mir die Stellungnahme des Stammapostels noch einmal angesehen. Dir geht es scheinbar um diesen Satz:
Die klare Ausrichtung auf die Wiederkunft Christi gilt auch heute noch als beispielhaft.

Ich kann aus diesem Satz nicht erkennen, dass StAp Leber ein heutiges Defizit bemängelt. Er wertet die heutige Wiederkunftserwartung überhaupt nicht. Es gab damals die Aussage von StAp Schmidt, der StAp. Bischoff habe die Kirche auf den höchsten Stand der Erkenntnis geführt. Wie ich schon schrieb, hatte sich da in der eschatologischen Ausrichtung in den 30 Jahren seit dem Amtsantritt von StAp Bischoff einiges getan. Das will StAp Leber nicht durch seine Stellungnahme geschmälert sehen, so verstehe ich ihn.
Immerhin hat es diese Tendenzen außerhalb der NAK gegeben: Anlässlich des Konzils zu Zürich soll sich StAp. Fehr abends mit den Worten verabschiedet haben: "Bis morgen - so der Herr noch nicht gekommen ist!" Ein Vertreter der apostolischen Gemeinschaften bemängelte dies sogleich als einen missbräuchlichen Umgang mit der Zukunft des Herrn. (Ich meine, es war damals so ähnlich bei der "WAZ" zu lesen.) Es scheint da eine gewisse Abkehr von der eschatologischen Ausrichtung gegeben zu haben...

der knabe grüßt.
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Sonia » 16.05.2013, 20:06

Das mußte ja, wie sich aus Lebers Wertung ergibt, so ganz anders sich darstellen als heute.

Bert,
welche Wertung soll das sein? Warum leitest du aus Lebers Hinweis, dass der Glaube an die unmittelbar bevorstehende Wiederkunft Christi bei vielen Geschwistern damals zu einer beispielhaften Haltung geführt habe (tägliche Erwartung Christ als Lebensmittelpunkt), eine Kritik an der Haltung der Geschwister heute ab? Ich kann keinen Vergleich erkennen.

Was Knabe-im-Moor schrieb:
Er vermeidet es zu Recht, Gläubige damit zu brüskieren, für welche die Botschaft nie ein Problem war - weil nämlich der wiederkommende Jesus und nicht der unsterbliche alte Mann im Mittelpunkt ihres Interesses standen.
sehe ich auch so.
Um das "persönliche, subjektive Erleben" geht es - im Prinzip um das, was den Glauben von Menschen ausmacht und was man nicht manipulieren darf, um den eigenen Zwecken oder den Forderungen anderer zu genügen. Ich finde es gut, dass der Stammapostel es ablehnt, persönliche Glaubenserfahrungen schlechtzureden aufgrund des Kontextes, in dem sie entstanden. Von nachträglichem "Vergolden" der Botschaft kann m. E. keine Rede sein. Wer trotz allem eine intensivierte Beziehung zu Gott aus der Botschaftszeit retten konnte, kann doch froh sein - schließlich geht es doch für uns alle um die Qualität, die Intensität des persönlichen Glaubens bzw. der Beziehung zu Gott?!


Nächtliche Grüße
Sonia
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Punk Schaf » 17.05.2013, 08:52

Liebe Leute,
erst mal Danke an Sonia für die Antworten- besonders die auf CB s Fragen stellen im wesentlichen auch meine Gedanken diesbezüglich dar.
Allerdings muß ich mich gegenüber deiner letzten Aussage abgrenzen, weil auch ich das schale Gefühl hatte, StAP Leber versucht uns abgestandenes Wasser für Wein zu deklarieren.
Sein persönlicher Konflikt zwischen familiärer Bindung (Liebe??) und einem historischen Fakt, den er nicht mittragen kann ist eindeutig fühlbar, am anfang des Schreibens redet er sich selbst heraus (Zeitmangel, erst jetzt Statement möglich- was im übrigen eine klare Lüge ist, denn das Statement 2007 war ja wohl auch auf seinem Mist gewachsten) und dann versucht er noch den Kopf eines geliebten Opas zu retten, indem er zwar sagt "das hätte er so nicht tun dürfen" (sorry, ich zietiere mal eben schnell auf neuapostolisch) und anschließend die Gemeinden anschwärzt (die Botschaftsfolgsamkeit verstärkt haben- und deswegen zu Mobbern wurden).

Ich merke, dass ich da gerade Steine werfe und mir gefällt es, dass sich ein StAp so dermaßen angreifbar macht. Eben durch diese Zerrissenheit macht er deutlich: LEUTE AUCH STAP SIND MENSCHEN UND BITTE BITTE BITTE KOMMT NIE WIEDER AUF DIE IDEE ETWAS ANDERES ZU GLAUBEN. Somit kann man das Statement auch zu diesem Zeitpunkt als eine Warnung an die Gemeinden sehen, bitteschön und egal wie guruhaft er sich gebähren wird, in Zukunft die Worte eines Luc Schneider und who ever follows kritisch zu beleuchten (und eben nicht wie die Gemeinden damals radikal zu werden). Auch das mehrfach durchklingende "dazu kann jeder seine eigene Meinung haben" ist damit in einer Linie.

Also, jetzt gefällt mir das Statement richtig: Ich lese darin 1. Luc Schneider, halte dich an das Evangelium. Kannst ja auch mal unsere kircheneigenen Informationen lesen, da differenzieren wir in harte und weiche Wahrheiten, indem wir nämlich sagen, die Offenbarung sei Mystik (Ja Leute, so ein Statement gab es, ich such bei Gelegenheit den Link raus). 2. Liebe Gemeinden, für euch gilt das Gleiche. Folgt dem Beispiel Jesu und liebt Euch untereinander mit euren Macken und unterschiedlichen Meinungen. Aber grenzt keinen aus.

Und nun noch ein Statement zur "beispielhaftigkeit".

Das tut schon weh. Zumal wenn man selbst noch in den 80ern mit "wenn du dies und das machst, bist du nicht dabei, wenn der Herr kommt" erzogen wurde.

Dabei kann genau diese Erwartung doch eben total klasse sein. Wenn man jeden Tag so lebt, als ob es der letzte sein könnte. Ist das nicht unser aller Ziel? Nur eben das wir als Christen das nicht in hedonistischer Weise tun, sondern neben uns selbst noch unseren nächsten lieben- versuchsweise in gleicher Intensität. Da denkt man dann mal eben nach, ob man bevor der Herr kommt tatsächlich den Abend noch im Büro verbringen will, oder lieber bei seinen geliebten Menschen zu Hause. Eben was einem wichtig ist, in diesem Leben. Das verschiebt man dann nicht auf die Rente sondern lebt es ständig. "Herr komme bald" kann ein Synonym für "Lebe deinen Traumn" sein...
Punk Schaf
 

Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Bert » 17.05.2013, 11:01

Hallo Knabe-im-Moor,

du schreibst, du müßtest Zeitzeugen befragen und … um meine Frage

Wie stellte sich 'tägliches Warten auf die Wiederkunft Jesu' damals a) in Handlungen der Gläubigen und b) in ihrem Reden dar?

zu beantworten.

Da hast du, da du damals noch nicht lebtest, natürlich Recht. Nun, im Gegensatz zu dir bin ich Zeitzeuge, insofern weiß aus eigener Erfahrung als Angehöriger dieser Kirche in einem ausgesprochen neuapostolischen Umfeld in damaliger Zeit, wie wir in der Gemeinde, im Ältestenbezirk, in unserer großen Familie lebten, und natürlich erinnere ich mich an viele Gottesdienste mit höchsten Amtsträgern der Kirche ebenso wie mit örtlichen als Dienstleiter sowie an die umfangreiche Kirchenliteratur – von Wächterstimme bis ‚Guter Hirte‘.

Natürlich kenne ich auch die ganze anschließende Entwicklung der Kirche bis heutezu, und ich sehe, wie die heute aktiven Neuapostolischen ihren Glauben leben. Ich bin daher in der Lage, Damaliges dem Heutigen gegenüberzustellen – wie der StAp Leber es offensichtlich tut (dazu Weiteres noch weiter unten).

Zurück zu damals: Ich hatte hier im Thread schon am 13.5. (13:47 h) im Detail über mein Erleben und meine Erfahrungen zur Zeit der Bischof-Botschaft detailliert geschrieben, will aber gerne nochmals wiederholen, was damals ‚Sache‘ war:

Prägend war die kirchliche Aussage, die sich in allen denkbaren Verlautbarungen wiederholte, ja, die infolge entsprechender kirchlicher Konditionierung wie ein Stück von einem selbst immer und überall präsent war: ‚Der Herr kommt zur Lebzeit des Stammapostels‘, und jedem war angesichts des fortgeschrittenen Alters dieses Mannes klar, was das bedeutete: ‚dein Leben als Mensch auf dieser Erde kann gleich, wenn nicht, so doch morgen oder übermorgen enden, jedenfalls wird es relativ kusrzfristig endgültig zu Ende sein.‘

Die kirchlichen Aussagen damals hatten aber nicht nur schlicht den Satz zum Inhalt, dass der Herr zur Lebenszeit des (hochbetagten) Stammapostels komme, sondern diese immer und überall in neuapostolischen Verlautbarungen wiederkehrende Passage war zugleich von grundlegender Bestimmung für alles Weitere, was die Kirche im Zuge ihrer intensiven Seelsorge gegenüber den Mitgliedern predigte, lehrte, sagte, schrieb, tat … So wurden laufend Ermahnungen zur absolutem Gehorsam und zur vollen Ausschöpfung aller kirchlichen Angebote (dazu gehörte auch die Einrichtung des Zeugnisbringens ‚von Haus zu Haus gehen‘ mit der Botschaft) ausgesprochen, und die NAK-ler zugleich nachdrücklich davor gewarnt, an jeglichem außerhalb der Kirche stattfindenden Leben 'der Welt' teilzuhaben (ich erspare mir eine Aufzählung der Stätten der ‚Weltlust‘) – von Berufen, die dem Rund-um-in-der-Kirche-leben hinderlich erschienen (z.B. Arbeiten in Betrieben mit Sonntagsarbeit), wurde abgeraten, ebenso von allen Planungen in die Zukunft hinein, von Hausbau (Schuldenmachen); höhere Schulausbildungen wurden als ‚schädlich‘ deklariert; andererseits wurden junge Männer gedrängt, sich in den Dienst der Kirche zu stellen usw. Bei allen Ermahnungen und Warnungen u.ä. wurde in dieser oder anderen Form, inhaltlich aber immer gleich, als Grund angegeben: ‚Wenn du das nicht im Gehorsam tust, was der Stammapostel sagt, dann trennst du dich von ihm und als Folge bleibst du zurück, wenn der Herr kommt, und bist dem Verderben, das über die Erde kommen wird, preisgegeben.‘ Diese Reden von Amtsträgern und jenen Mitgliedern, die genauso sprachen wie jene, enthielten Angst machende Elemente, und es gab Vorfälle, von denen ich erfahren hatte und die ich hier aber nicht alle ausbreiten möchte, in welchen Neuapostolische, Erwachsene und Kinder, bittere Stunden von Bangigkeit, gar Ängsten erlebten, in Depressionen verfielen. D.h.: es war Kirchgang sozusagen ohne Unterbrechung vorhanden; ‚vorbildlich, beispielhaft‘, könnte man sagen; doch der Antrieb zu solchem Handeln war zumindest teilweise auch pure Angst vor den kirchlicherseits thematisierten Folgen eines ‚Ungehorsams‘, eines innerlichen Trennens von der Kirche. Immerhin war den ‚Gotteskindern‘ amtlich durch die Kirche gesagt:

„Der Stammapostel allein ist die geoffenbarte Liebe Gottes. Wer sich von ihm trennt, hat sein eigenes Todesurteil unterschrieben. Solche sind ihre eigenen Richter geworden. Der liebe Gott will seine Kinder selig machen, aber nicht solche, die alles besser wissen. Wir sollen keine Sklaven sein, sondern freigemachte Gotteskinder. Wir lieben nicht allein Gott, sondern auch den, den er gesandt hat.“ (Fundstelle: Amtsblatt v. 15.6.1952,S. 94).

Es ist einzuräumen, dass es wohl auch Kirchenmitglieder gab, die bei diesem durch die Kirche geschaffenen exorbitant ängstigenden Glaubensgrund damaliger Zeit selig wurden, keine Bangigkeiten empfanden, alles freudig taten, was die Kirche forderte usw. Doch, das ist nur die eine Seite; es ist festzuhalten, dass auch jene dunkle Seite gab, die ich hier versucht habe, nachvollziehbar aufzuzeigen.

Deshalb, werter Knabe-im-Moor, habe ich persönlich von meinem Innersten her die größten Bedenken, das damalige kirchliche Leben der Amtsträgerschaft wie das der Mitglieder der NAK, zu welchem ja nicht nur der laufende GD-Besuch u.ä. zählt, sondern auch das ganze kirchliche Drumherum, so pauschal, wie L. es tut, als ‚klare Ausrichtung [der Gemeinde(n] auf die Wiederkunft Christi‘ als beispielhaft auch für heute gelten zu lassen. Es kann ja nicht nur um eine 'Richtung' gehen, es ist doch wohl auch die ' geistliche Umgebung' mit in Betrachtung zu nehmen, in welcher die Richtungsentscheidung geboren wird, sowie die Gründe, die Veranlassung gewesen sind, diese Richtung ohne Wenn und Aber zu verfolgen.

Und ich halte es für ausgeschlossen, dass die heutigen Mitglieder der NAK diesem ‚Beispiel‘ 1:1 folgend sich auf die Wiederkunft Christi auszurichten wünschen.

Wenn nun L. mit Blick auf jene 'Ausrichtung auf die Wiederkunft' von Beispiel für unser Heute redet, dann macht er das nach meiner bescheidenen Ansicht als oberster Verantwortlicher der Kirche, d.h. er sieht mit seinen Augen auf die jetzige Kirche, und wenn er spricht, kann ich mir nicht denken, dass er das ‚nur mal so‘ tut, weil’s gerade mal passt. Er verfolgt hier m.E. demgemäß einen Zweck, eine Wirkung unter den Kirchenmitgliedern. So verstehe ich seine beispielhafte Erwähnung von zurückliegenden Geschehnissen, wie überhaupt solche Rückgriffe auf vergangene Zeiten in unserer Kirche, als ein Mittel, für heute etwas zu auszusagen, für heute daraus (aus dem alten Beispiel) eine Lehre zu ziehen. Gelehrt wird aber genau das, was noch zu lernen ist oder gelernt werden soll (anhand von Beispielen). Wo gelernt werden soll, sollen die Lernenden in den Besitz von dem kommen, was sie noch nicht haben oder noch nicht so praktizieren.

Das ist mein Verständnis von ‚ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr tut …‘
Aber wie gesagt, ich halte das Beispiel im vorliegenden Fall zumindest für fragwürdig.

LG
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Highländer » 17.05.2013, 12:01

Sehr geehrter Cemper,

Alternative zu was ?

Wie ich Sie durch Ihre vielen Artikel kenne, sind Sie sehr wohl in der Lage ergänzend zu denken und wissen genau wen und was ich meine.

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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Highländer » 17.05.2013, 12:31

Die Stellungnahme von Wilhelm Leber kann man von oben oder unten, hinten und vorne, seitwärts, liegend und wie auch immer betrachten, die Beurteilungen der Betrachter werden immer unterschiedlich sein. Diese Stellungnahme gehört nicht zu der Sorte, bei der man senkrecht in die Luft gehen musste.
Auf der einen Seite versucht man gemachte Fehler, mit welchen Eiertänzen auch immer zuzugeben, auf der anderen Seite treibt die Blasphemie weiter ihre Blüten.
Ich zitiere aus einem Rundschreiben von Bernd Koberstein (Kirchenpräsident Hessen-Rheinland/Pfalz-Saarland) zu Pfingsten:

"Der Herr selbst hat die jeweiligen Stammapostel erwählt und zu ihrer Zeit für ihren Dienst in diesem höchsten Amt zubereitet. Dies gilt auch für den zukünftigen
Stammapostel."

Ich möchte nicht wissen, in wie vielen Predigten dieser Satz in Gemeinden bereits manifestiert wurde.

Abschließen möchte ich mit den Worten eines Liedes von Curd Jürgens .....aus gehabtem Schaden nichts gelernt!

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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Friedensstifter » 17.05.2013, 12:38

Stellungnahme zur Stellungnahme zur...

Zuerst war ich etwas enttäuscht, als ich die Stellungnahme las. Aber dann...

Natürlich hätte ich gerne explizit gelesen: ...Die Botschaft war ein Irrtum...

Aber wäre das dann nicht bereits eine Beurteilung? Und dann wäre die Überschrift "Stellungnahme" wohl nicht mehr richtig, oder?

Auf jeden Fall könnte ich diese Stellungnahme mitunterschreiben, denn sie weist (so meine Meinung) in die richtige Richtung.

LG und schöne Pfingsten
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Cemper » 17.05.2013, 12:40

Highländer hat geschrieben:Die Stellungnahme von Georg Leber kann man von oben oder unten ...

Sie meinten diesen Herrn? klick

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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Bert » 17.05.2013, 12:57

Werte Sonia,

ich habe vorstehend eine Antwort an Knabe-im-Moor verfaßt, aus welcher du meine Ansicht entnehmen kannst, die ich mit Blick auf dein Posting vertrete.

Ich für meine Person möchte jedenfalls feststellen, dass ich mir kein Beispiel am Verhalten von Gläubigen nehmen kann, die sich, verführt durch fragwürdige kirchliche Lehre, auf die Wiederkehr Jesu Christ zur Lebenszeit ihres Oberhirten ausgerichtet haben oder haben ausrichten lassen.

Ich schließe nicht aus, dass andere NAK-ler daran Gefallen haben und sich möglicherweise am Beispiel aus der Botschaftszeit orientieren möchten.

Wenn du insoweit dafür plädierst, Verständnis für diese zu haben, dann sage ich 'ok', will ich versuchen; doch lass mich auch fragen: die Menschen, die anders empfinden, sind sie wirklich von vornherein so daneben als Gläubige, dass ihnen Verständnis für ihre Haltung auch versuchsweise nicht entgegengebracht werden dürfte?

Das mit dem 'Vergolden' möchte ich so verstanden wissen: L. versucht nach meiner Meinung der ungöttlichen Botschaft noch etwas Positives abzugewinnen, wenn er zum Ausdruck bringt, dass in ihrer Zeit, als sie ein Mittelpunkt der Lehre war, geradezu durch ihr Vorhandensein eine 'klare Ausrichtung auf die Wiederkunft Jesu beispielhaft für heute' geschah.

LG
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Re: Selbstaussagen der NAK zur eigenen Vergangenheit

Beitragvon Highländer » 17.05.2013, 13:33

upps...... Verzeihung in die Runde, man sollte nicht mehrere Dinge gleichzeitig machen.

Natürlich Wilhelm Leber, aber scheinbar hat bei mir der alte Schorsch einen größeren Eindruck hinterlassen.

Es grüßt der Highländer (in diesem Fall der Deepländer)
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